Geboren wird er am 12. März 1607 in Gräfenhainichen / Bezirk Halle.

Als er mit 15 Jahren die berühmte und sehr strenge Fürstenschule in Grimma (Bezirk Leipzig) besucht, ist er Vollwaise und kann in kein Zuhause mehr zurück. Religion und Latein sind sein Alltag und beides wird mit Strenge, kargem Wohnen und einem wenig barmherzigen Tageslauf vermittelt. Mit 21 Jahren wird er Student der Theologie in Wittenberg; und erst mit 44 Jahren - von denen dreißig Jahre Krieg herrschte - nimmt er eine recht gut dotierte Pfarrstelle in Mittenwalde an. Die Stelle ermöglicht ihm auch die Eheschließung, aber dieses Glück ist schwer getrübt: Das Ehepaar muss viele Kinder früh begraben. Mit 50 Jahren wechselt er an St. Nikolai in Berlin und trifft dort auf den Kantor, den Gerhardt schon länger kennt und mit dem ihm gemeinsame Arbeit und eine gewisse Freundschaft verbindet: Johann Crüger.

Ein von Crüger herausgegebenes Gesangbuch erlebt im Laufe der Jahre zehn Auflagen und zählt 1661 schon 91 Lieder von Paul Gerhardt; in einer späteren Zusammenfassung von geistlichem Liedgut zählt man 120 Lieder. "Es ist mir immer, als ginge die Sonne auf, wenn der Name in mein Gedächtnis tritt." (Rudolf Alexander Schröder)

An seiner letzten Pfarrstelle in Lübben / Niederlausitz schein man allerdings nicht von Gerhardts Liedern zu wissen. Dem Rat der Stadt Lübben ist 1669 die Versicherung des Pfarrers aus Berlin wichtiger, dass er kein auswärtiges Bier in die Stadt einführt.

Gebet
Abend und Morgen sind seine Sorgen;
segnen und mehren, Unglück verwehren
sind seine Werke und Taten allein.
Wenn wir uns legen, so ist er zugegen;
wenn wir aufstehn, so läßt er aufgehn
über uns seiner Barmherzigkeit Schein.
Paul Gerhardt